Überzeugungen der Wiedertäufer zur Apokalypse
    

Die vier apokalyptischen Reiter und die Interpretation der Wiedertäufer

 

Die Wiedertäufer glaubten die Apokalypse des Johannes wortwörtlich. Zum Beispiel interpretierten die Wiedertäufer die vier apokalyptischen Reiter so:

    Der erste Reiter mit dem weißen Pferd steht für den Krieg von außen. Die Wiedertäufer  behaupteten dieser Reiter stand für den Angriff der Türken auf Wien von 1525.

    Der zweite Krieger auf dem feuerrotem Pferd ,der  für Bürgerkrieg und noch verheerenderen Feuerwaffen steht, entdeckten sie bei der Schlacht bei Pavia (1525) in der  neue Waffen nämlich sogenannte "Arkebusen" verwendet wurden. Diese waren neuartige Donnerbüchsen,die zwei Soldaten gleichzeitig durchschlagen konnten.

    Den dritten apokalyptische Reiter, der für Inflation und Hungersnot steht, interpretierten sie in die Teuerungen von 1527 bis 1534 durch die es eine rapide Kornverteuerung gab. Dazu gab es im Jahre 1529 schlimme Mißernten durch die die Hungersnot noch verstärkt wurde. Dadurch, dass die meisten Bauern kein eigenen Landbesitz hatten   und deshalb hohe Abgaben leisten mußten, gab es oft nicht genug zu essen.

    Der vierte apokalyptische Reiter steht für Pest und Tod. Damals waren todbringende Krankheiten wie Pest und "englisches Fieber", wahrscheinlich eine Art Typhus ,weit verbreitet. Besonders 1529 und 1530 kam es zu Seuchen in Westfalen.

Die Wiedertäufer  glaubten die apokalyptischen Zeichen der Endzeit wären in ihrer Zeit erkennbar.

Auch das kaiserliche Mandat von 1528, dass die Wiedertäufer bis 1555 für vogelfrei erklärte, also jedem die Verfolgung erlaubten, bestätigte die Menschen in ihrem Glauben ,dass das Kommen des Reiches Gottes nahe sei. Durch dieses Mandat wurden 50 000 Täufer  getötet.

Die Eschatologie (die Lehre von den letzten Zeiten) gehörte damals fest zum Weltbild. Der Papst wurde zum Antichrist erklärt, weil die in der Apokalypse beschriebene Hure Babylon, die Stadt auf den sieben Hügeln als Rom gedeutet wurde und somit Rom die Stadt des Teufels war.  Die Menschen glaubten damals, dass das Ende des römischen Weltreiches bzw. Roms das  Kommen des Antichristes bewirkt. Selbst Luther vertrat diese Auffassungen. Auch hatte der Papst und die kirchliche Obrigkeit den Glauben an sie, durch den Beweis das die Erde eine Kugel sei, verloren. Auch durch den unsinnigen  Ablasshandel mit dem Peterspfennig (für den Bau des Petersdom) zog der Papst den Unwillen der Leute auf sich.

Melchior Hoffman (Bild)war der Kopf der täuferischen Bewegung der Melchioristen. Er saß freiwillig im Gefängnis von Straßburg, weil er davon überzeugt war, dass das jüngste Gericht sich am Jahresende ereignen würde und zwar in dieser Stadt die er als neues Jerusalem offenbart bekommen hatte. Jerusalem war damals von den Türken besetzt und deshalb bestimmten die täuferischen Gruppen neue Jerusalems.

In den Niederlanden ,wo die Reformation durch Habsburger unterdrückt wurde, fanden Hoffmans Lehren besondere Wirkung. In Amsterdam tritt im November 1533 Jan Matthys auf. Dieser verkündet eine neue Offenbarung. Das Weltende soll nicht am Jahresende sondern an Ostern dem 5.April 1534 stattfinden. Er meinte  nicht wie Hoffmann ,dass seine Anhänger die Erwachsenentaufe einstellen sollten, weil die Verfolgung zu blutig waren. Jan Matthys meinte, seine Anhänger ,die er die Gemeinde der Gerechten nannte, müßten alle vor dem Weltende wiedergetauft werden. Deshalb nimmt Jan Matthys die Erwachsenentaufe wieder auf. Matthys ritt am 5.4.1534 unbewaffnet in das Lager seiner Feinde, weil er glaubte, dass an diesem Tag die Apokalypse eintritt und ihm deshalb die Feinde nichts antun könnten. Durch die enge Verbindung von Münster und den Niederlanden  gelangten die  Berichte über die Vorgänge nach Münster.

Auch bei dem Fall des Johann Schröders wurden apokalyptische Zeichen entdeckt. Der Schmied tritt am 8.Dezember als Prediger vor der Lambertikirche auf. Da er Rothmann verteidigt und Fabricius zu einer Disputation für den 15. Dezember herausfordert wird er am 15.12 vom Rat verhaftet. Aber ,weil der Rat die Gesamtgilde bei der Verhaftung übergangen hat und somit  ungesetzlich vorgegangen ist ,droht die Schmiedengilde mit dem Zorn Gottes. Dieses Argument spricht deutlich für das religiöse Klima der Stadt. Die Wiedertäufer fürchten den Zorn Gottes, weil sie Angst haben, bei der Apokalypse dann nicht als versiegelt  zu gelten und erlöst werden. Der Rat gibt klein bei und verliert somit seinen Einfluß. Die Gilden stehen auf der Seite Rothmanns. Eine religiöse Aufbruchstimmung greift um sich. Der Weg für die Wiedertäufer ist geebnet.

Was in Münster geschah ,ist ein Beispiel für die falsche Reich Gottes Erwartung. In der Bibel steht, dass nur Gott allein den genauen Zeitpunkt der  Apokalypse bestimmt. Die Wiedertäufer aber dachten sie könnten Gottes Entscheidung voraussehen. Sie wollten etwas für Gott anstatt mit Gott tun und das war ihr Fehler.
 

 Jennifer